Wir hatten das Vergnügen, mit Alex zu sprechen, der bei der allerersten Ausgabe des Wettbewerbs zum Mr. Fetish Berlin 2026 gewählt wurde. Zuvor war der Titel seit 2010 als Mr. Leather Berlin bekannt. 2026 begann mit der Umbenennung in Mr. Fetish Berlin ein neues Kapitel – ein Titel, der die Offenheit, Vielfalt und die vielen Facetten der sich wandelnden Berliner Szene besser widerspiegelt.
Eine passende Veränderung, denn Alex verkörpert genau diesen modernen Spirit: stolz, verspielt, sozial engagiert und tief mit der Community verbunden. In diesem Interview sprechen wir darüber, wer er ist, wie Fetisch in seinen Alltag passt und warum Mitmachen heute wichtiger denn je ist. Ausserdem reden wir über Sichtbarkeit, Aufklärung und die Rolle von Poppers in der Szene – inklusive seiner Empfehlung für die beste Alternative.
Alex spricht offen, direkt und mit der Art von Selbstbewusstsein, die aus Erfahrung entsteht. Er teilt Gedanken darüber, wie man sein Fetischleben mit weniger Selbstzensur leben kann, Gleichgesinnte findet und warum die Zukunft der Szene vielleicht heller aussieht, als viele denken.
Begleitet uns dabei, Alex kennenzulernen – und zu entdecken, warum er die moderne Fetischszene so gut repräsentiert.
Unterstützung durch Teilnahme
F: Herzlichen Glückwunsch zum Titel Mr. Fetish Berlin 2026. Was hat dich motiviert, bei Mr. Fetish mitzumachen? Und wie hat sich dein Leben seit dem Gewinn verändert?
A: Vielen Dank! Mein grosses Thema ist „Support by Participation“ – also Unterstützung durch Teilnahme. Genau deshalb habe ich mich auch beworben. Wir alle sollten im Rahmen unserer Möglichkeiten aktiv teilnehmen und die bestehenden Strukturen so gut wie möglich unterstützen. Die finanziellen und politischen Bedingungen könnten schwieriger werden, deshalb liegt es an uns, unsere Kultur am Leben zu halten.
Schon der Weg bis zum Titelgewinn hat verändert, wie Menschen auf mich zugehen. Ich bin langsam in die Rolle hineingewachsen – wobei ich vorher auch nicht komplett unbekannt war. Deshalb hat sich in den wenigen Wochen seitdem gar nicht so viel verändert. Ich hoffe einfach, dass mein soziales Umfeld mich weiterhin unterstützt und mir hilft, stabil zu bleiben – auch wenn jetzt natürlich mehr Verpflichtungen dazugehören.
F: Wie sieht ein Tag im Leben von Mr. Fetish aus? Und wie sieht die Nacht aus?
A: Tagsüber ist alles ziemlich routiniert im Büro. Das Nachtleben habe ich aktuell etwas weniger unter Kontrolle. Seit meiner Wahl sind erst ein paar Wochen vergangen, deshalb kommen immer noch viele Leute auf mich zu, gratulieren mir oder wollen mich einfach umarmen. Im Moment geht es also mehr ums Socializing als um die wirklich schrägen Sachen.
F: Du bist offen Puppy. Holt Stompee eine andere Seite von Alex hervor?
A: Nicht wirklich. Ich habe mich von Dog Play über Wolfing bis hin zum modernen Puppy Play entwickelt – immer mit meinem BDSM-Hintergrund. Modernes Puppy Play gibt mir eine gewisse Freiheit, mein inneres Kind auszuleben. Die Hood sorgt oft dafür, dass andere entspannter reagieren, während ich albern herumblödle. Und ich finde, man sollte auch den magischen Aspekt von Fetischen nicht vergessen.
Fetisch als Kommunikation – nicht als Kostüm
F: Wie wichtig sind Kleidung, Accessoires und Tools deiner Meinung nach im Fetisch?
A: Kleidung transportiert eine Botschaft und vermittelt eine Idee. Sie unterstützt Einladungen und das Entstehen von Interaktion. Nennen wir es einfach nonverbale Kommunikation.
F: Was wird über die Fetisch-Community am häufigsten missverstanden?
A: Fetische werden oft auf Latex, Leder oder bestimmte sexuelle Vorlieben reduziert. Dabei vergisst man schnell, dass praktisch alles ein Fetisch sein kann und Fetische überall gelebt werden. Wenn man nicht versteht, was ein Fetisch überhaupt sein kann, führt das schnell zu Engstirnigkeit – und dazu, die Realität anderer Menschen nicht wahrzunehmen.
F: Du stehst nicht nur offen zu deinen eigenen Fetischen, sondern setzt dich auch für die Verteidigung aller anderen ein. Wann wurde dir klar, wie wichtig es ist, seinen Fetisch offen zu leben?
Poppers, Lust und praktische Tipps
F: Welche Rolle spielen Poppers deiner Erfahrung nach in der Fetisch-Community?
A: Den Geruch nimmt man an den unterschiedlichsten Orten und in den verschiedensten Situationen wahr. Ich denke, sie werden ziemlich weit verbreitet genutzt.
F: Hast du irgendwelche Rituale, wenn es um Poppers geht?
A: Nein, aber ich empfehle ausreichend Flüssigkeit, kein Solo-Play, niemals mit anderen Substanzen mischen, die Räume danach gut durchlüften und Poppers von Zigaretten, offenen Flammen oder anderen Zündquellen fernhalten.
F: Hast du eine Lieblingsmarke oder Lieblingsformel? Oder nutzt du irgendwelche Popper-Tools?
A: Nein, aber ich empfehle die Nutzung eines Inhalers und von Wattestäbchen, um Hautreizungen beim Konsum von Poppers zu vermeiden.
F: Was ist dein Tipp für die beste Popper-Erfahrung?
Finde deine Leute und beweg deinen A*** vom Sofa
F: Du hast einen sehr positiven und aufklärenden Zugang zum Thema Fetisch. Glaubst du, dass genau das manchmal in der Szene fehlt?
F: Durch allgemeine Fehlinformationen fällt es vielen Menschen schwer, über ihre Wünsche zu sprechen. Was würdest du empfehlen, um dieses Gespräch zu beginnen?
A: Mein Einstieg in die Fetischwelt war noch vor dem Internet. Deshalb verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum Menschen heute ihren Weg in Communities nicht finden. Die Informationen sind überall verfügbar – gedruckt, digital, Workshops, Informationszentren. Nutzt diese Angebote!
Am Ende müsst ihr einfach euren Arsch vom Sofa hochbekommen.
F: Du beschreibst Fetisch als etwas Verbindendes. Was könnte Menschen mit einem Fetisch helfen zu erkennen, dass sie nicht allein sind und bereits Teil einer grösseren Community?
A: Wenn man seinen Fetisch als Hobby betrachtet und die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Bereichen erkennt, fühlt man sich vielleicht wohler dabei, an Events teilzunehmen oder andere kennenzulernen. Das gilt übrigens auch dann, wenn man weit entfernt von den Zentren der Fetischszene lebt. Plant eure Freizeit entsprechend.
Die Zukunft ist jünger – und wächst
F: Wovon könnte die Fetisch-Community aktuell am meisten profitieren? Was fehlt noch – gesellschaftlich und politisch?
A: Achtsamkeit und Anerkennung! Wenn man bedenkt, dass formelle Kleidung, Flip-Flops, Unterwäsche oder Spandex bereits weit verbreitete Fetische sind, dann ist Fetisch viel stärker Teil des Alltags, als die meisten Menschen glauben. Manche Dinge sind einfach sichtbarer als andere.
Ich habe nie verstanden, warum bestimmte Kleidung wie Latex als pervers gilt, während Leggings mit Animal Print problemlos bürotauglich sind. Die Politik trägt die Verantwortung für ein sicheres Leben unter allen Bedingungen – und bei diesem Thema darf es keine Kompromisse geben.
F: Du bist sehr aktiv in der Fetischszene. Welcher Trend begeistert dich momentan am meisten?
A: Ich finde es grossartig, dass sich so viele junge Menschen für die unterschiedlichen Aspekte der Szene interessieren. Die Szene ist überhaupt nicht tot. Dabei geht es nicht nur um Sexualität, sondern auch um soziale Aspekte.
Durch die grosse Spannbreite an Altersgruppen und Erfahrungen gewinnen wir ein Stück unserer Kultur zurück – etwas, das während der AIDS-Krise stark verloren gegangen ist.
F: Und zum Schluss: Welchen Tipp würdest du einem jungen Alex geben – oder generell jungen Menschen, die ihre Fetisch-Seite entdecken möchten?
A: Tritt früher aus deinem eigenen Schatten heraus – und tu es mit Selbstbewusstsein.
Eine starke Stimme für die moderne Fetischszene
A: Danke für euer Interesse! wouph
Alex steht für ein modernes Verständnis von Fetisch: offen, sozial bewusst, verspielt und tief in der Community verwurzelt. Er erinnert uns daran, dass Fetisch nicht nur Latex, Leder oder Sexualität bedeutet – Fetisch kann Ausdruck, Identität, Kommunikation, Kreativität und Verbindung sein.
Am stärksten bleibt seine Botschaft der Teilnahme hängen: Szenen überleben nur dann, wenn Menschen auftauchen, sich gegenseitig unterstützen und Räume schaffen, in denen sich andere willkommen fühlen. Ob es um Aufklärung, Selbstbewusstsein oder einfach darum geht, „seine Leute“ zu finden – Alex zeigt, dass Fetisch heute genauso sehr von menschlicher Verbindung lebt wie von Lust und Verlangen.
Vielen Dank nochmals, Alex, für deine Offenheit, deinen Humor und dafür, dass du uns einen Einblick in deine Welt gegeben hast.
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